Emma Myldenberger

Michel Meyer (Maler & Musiker) Biber Gullatz (Musiker, Komponist & Produzent)

 1. Was hast Du in den 70/80ern gemacht? Straßenmusiker/Folk-Sänger …

Michel: 

seit 1975 Straßenmusik und Konzerte, u.a. mit der Band Urfuß

Emma Myldenberger ‚on the road‘ 1978

Biber + Michel: 

1977 – 81 Emma Myldenberger mit Konzerten, Plattenaufnahmen, gelegentlich Straßenmusik

1981 – 86 Radio Noisz Ensemble mit Konzerten, Plattenaufnahmen

Biber: 

ab Mitte der 80er Jahre als Komponist für Theatermusik

2. Inwiefern hattest Du damals Kontakt mit der Deutschfolk-Szene?

Biber + Michel: 

Auf unseren Konzerten zwangsläufig, in den vier Jahren, die Emma Myldenberger existierte, haben wir ja über 200 Konzerte gegeben, häufig auch auf Folkfestivals, die damals überall im Lande stattfanden. Dort haben wir viele Kollegen auf der Bühne gesehen und gehört. Von denen, die tatsächlich so etwas wie Deutschfolk spielten sind etwa Zupfgeigenhansel, Liederjan, Elster Silberflug, Schwan und Fidel Michel in Erinnerung. Einige haben wir auch persönlich kennengelernt – backstage.

Emma Myldenberger

3. Warst Du auch später „künstlerisch“ tätig, was auch „lebenskünstlerisch“ beinhaltet

Michel: 

als gelernter Kommunikationsdesigner, Illustrator und Künstler war ich mein ganzes Leben „künstlerisch“ tätig. Seit fast 20 Jahren leben meine Frau Anne Sommer-Meyer und ich ausschließlich von unserer Arbeit als freischaffende bildende Künstler.

Biber: 

Ein Berufsleben als Komponist für Theaterstücke und heute in erster Linie für Kino- und Fernsehfilme. Gelegentlich als Dozent.

4. Was verbindest Du mit dem Begriff Deutschfolk?

Biber + Michel: 

Wir sehen den Begriff eigentlich eher eng in der Hinsicht, daß eine Reihe von Musikern damals begannen, sich mit deutschem Liedgut, beginnend mit dem Mittelalter, auseinanderzusetzen und es neu zu interpretieren. Nach Melodien und Texten zu suchen, Zusammenhänge zu erkennen und diese zu kommunizieren. Und damit das Musikantenstadelhafte abzustreifen, das damals wie heute vor allem im Fernsehen vorherrscht, wenn man an Volksmusik denkt.

Wir haben uns streckenweise auch mit deutschem Liedgut beschäftigt, vor allem in der Anfangszeit, aber nicht so dauerhaft ernst. Für uns selbst war die Beschäftigung mit deutschsprachigen Liedern eher ein Sprungbrett, eine Plattform, von der aus man sich weiter orientieren konnte. Bei Emma Myldenberger vermischten sich im Konzertprogramm rasch das deutschfolkige mit Eigenkompositionen, etwa Tänzen, die an den Folk angelehnt waren, aber eben selbstgemacht. Wir haben Gedichte vertont und manchmal gab es auch irische Polkas oder etwas von Brecht/Weill zu hören.

Dann haben wir uns schnell für alle möglichen Musikstile interessiert, für Musik aus dem arabischen Raum, aus Ungarn, Irland und für Jazz. Daraus haben wir dann einen markanten eigenen Stil entwickelt, der bei Konzerten auch einigens an Improvisation zuließ. Die interessante Instrumentierung (Oboe, Kontrabass, Flöten, Krummhorn, Geige, Gitarren) tat dabei ein übriges.

5. Was machst Du heute?

Siehe unsere Antworten zur Frage 3

6. Fühlst Du Dich im Alter als Künstler vom Staat gewürdigt und sofern (besonders in Corona-Zeiten) nötig, angemessen unterstützt?

Biber: 

Ist für mich nicht relevant.

Michel: 

Es gab etwas Unterstützung im vergangenen Jahr, das war hilfreich, ansonsten geht alles wie sonst, manchmal auf etwas kleinerer Flamme.

Biber + Michel: 

in unserem Leben hat sich beruflich nicht viel geändert, wir sind ja vorher immer im Home-Office gewesen …

7. Welche Gefühle lösen die Erinnerungen in Dir aus?

Biber

In dieser Zeit: idenditätssuchend und später über den Tellerrand schauend …

Michel: 

Ich habe in der Zeit mit der Band und der gelegentlichen Straßenmusik eine Menge gelernt über mich selbst und den Umgang und der Zusammenarbeit mit anderen Menschen, dem Leben in einer Gruppe. Man ist ja mit seinen Mitmusikern sehr lange und sehr eng zusammen. Ich habe gelernt was ich kann und was nicht. Und was mir angenehm ist und was nicht. Das alles hat aber vielleicht eher mit dem Alter zu tun und möglicherweise hätte ich das alles auch erfahren, wenn ich anderes gemacht hätte als Musik. Wer weiß? Ich freue mich, wenn ich daran denke, wie unerschrocken und wagemutig wir als junge Leute gewesen sind.

8.  Welche Frage fehlt Dir?

Michel: 

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?

https://www.discogs.com/de/artist/1058448-Emma-Myldenberger

Artikel Biber Gullatz

http://www.firsttakestudios.de/

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