Lutz Berger

Geiger (Elster Silberflug, Bernies Autobahnband), Produzent, Fotograf
Lutz Berger

Die Siebziger … in Heidelberg: Ein Eldorado zwischen Studentenunruhen und Hippiehochburg, Baader-Meinhof und mehr Demokratie wagen, Rock, Pop und Folkmusik. Zu ihr zog mich die Verwendung der Muttersprache in der Musik – mit Beatles, Stones und Dylan im Ohr aufgewachsen, war das unbeholfene Krautrock-Englisch IMHO einfach nur peinlich.

Außerdem hatten uns die Hopis bei ihrem Besuch in Heidelberg unmissverständlich klar gemacht: besinnt euch auf eure eigenen Wurzeln!

Da passte es, dass irgendwann drei abenteuerliche Gestalten aus Kathmandu* auftauchten und deutsche Volkslieder auf der Hauptstraße sangen, Backbeat und street credibility inclusive. Also hab ich mich mit meiner Geige dazugesellt und der Rest ist Geschichte. 

Elstern mit Lutz Berger in Gießen, Foto: E. Pletsch

Der Zeitgeist sorgte für evolutionären Rückenwind, auch wenn er nur zwei-drei Jahre wehte. Die allerdings hatten es in sich: Straßenmusik, Privatkonzerte, Festivals und volle Hallen, sogar ein Radfahrstadium hatten wir (mit Elster Silberflug) bespielt und waren in der Jahrhunderthalle aufgetreten. The future was so bright, we gotta wear shades – auch wenn die deutsche Folkmusik kaum im kulturellen Gedächtnis Spuren hinterlassen hat … keine herausragenden Musiker, Bands, Songs oder Hits, es verlief sich irgendwie. Deshalb finde ich Dein Projekt umso besser!

Dann kam Punk und die neue deutsche Welle, Musik mit deutschen Texten war im Mainstream angekommen und ich ging zu Bernies Autobahnband. Hatte das Glück, mit einem begnadeten Texter, Bernie Conrads, noch ein paar Jahre auf den Bühnen zu stehen. Danach zog es mich auf die andere Seite des Mischpultes, später zum privaten Rundfunk, um den Leser nicht zu langweilen: ich blieb den Medien treu. 

Zu Deinen letzten Fragen:
Vom Staat habe ich nie etwas erwartet, weder Kohle noch Kultur. Wir gehen uns halb auf die Nerven, halb aus dem Weg, ich geh wählen, zahl meine Steuern – und engagiere mich lieber auf lokaler und kommunaler Ebene.

Was ich heute höre?
Viel Bach, Glen Gould, Jascha Heifetz und Verdi Opern von Maria Callas, immer noch gerne Keith Richards an der Gitarre, aktuelle Musik primär via streaming und lasse mich von den Playlists interessanter Zeitgenossen und deren Tracks überraschen. 

Lutz Berger

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*siehe auch: Das Waldeck Konzil von Ulli Freise

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