Mani und Gunny Deis-Wiese

Musikliebende unterwegs in Europa und Asien

Zeichnung: Thomas Ziebarth

Die  Zeit von 1965 bis 1975 war musikalisch sehr kreativ und freiheitsliebend. Gute Musikgenies sprossen heran, die Begeisterung für Tanz, Folkfestivals und Discos kannte keine Grenzen. Teenager pinnten die Beatles und Rolling Stones in Lebensgröße an ihre Zimmerwände, wir hörten alle aktuellen Songs und wenn man es wollte, konnte man sehr schnell viele Lieder auf der Gitarre spielen. Meine Idole waren außer den Beatles vor allem Franz-Josef Degenhardt, Joan Baez, Bob Dylan, Donovan, Leonard Cohen und bald unter anderem indische, japanische, kreolische und jamaikanische Musik, ergo ‚music of the world‘, die seit der Ein-Mann-Radio-Programmaufstellung kaum mehr zu hören ist!

1976 unternahmen Mani und ich eine Reise über Land nach Indien, sobald sich unterwegs Gelegenheit bot, spielten wir zusammen Lieder vielerlei Art, oft an Grenzübergängen und in Restaurants. Die Leute waren durchweg freundlich und musikbegeistert. Es war Frieden auf dem Weg nach Indien. Allerdings war in Pakistan Unruhe, doch wir hatten Glück.

Unsere Zeit in Indien bestand aus langen Wanderungen im Himalaya mit unserem kleinen schwarzen Pudel. Wir trafen einige für uns bedeutende Saddhus, und spielten  auf. Im Wesentlichen lebten wir längere Zeit Tür an Tür mit einem betagten tibetischen Mönch und fühlten uns im damals noch recht kleinen McLeod Ganj zuhause. Denn jeden Abend ertönten aus jedem Haus tiefe wohllautende Meditationsgesänge, das  ‚Om Mani Padme Hum‘, und auf diese Weise war das idyllische Tal in einer wunderbaren Atmosphäre.

Später auf der Rückreise in Griechenland musizierten wir viel, lernten griechische Lieder, kauften Bouzoukis und tingelten am ‚Thalassa‘ der nördlichen griechischen Sphären. In manchen Nächten wanderten wir über mondbeschienene Berge und freuten uns der Fülle des Daseins.

Unsere Vorbilder waren auch die Heidelberger ’Elster Silberflug‘. Wir finden die Liedtexte von Ulli Freise auch heute super, sie sind aktuell und zeitlos. Auch Bernie Conrads von ‚Bernies Autobahnband‘ ist ein wunderbarer Texter. Unsere Kinder und ihre Freunde waren immer begeisterte Zuhörer. Und alle anderen waren auch toll: Der Zibi mit seiner Band ‚Fresh up‘ und später den wunderbaren Bilderwerken, seine wissenden Erzählungen im Internet dazu. Sowie Eugen Pletsch, den wir ab und zu beim Tingeln trafen, ganz früher auch Peter Markl, einem genialem Musiker, der mir im Nu ein gesamtes Lied auf der Gitarre beibringen konnte. Sehr beliebt bei unseren Kindern war die Musik von Frederik Vahle. Sie kannten alle Texte auswendig.

Nach unseren Reisen ins Innere Asiens mieteten wir für mehrere Jahre ein Schäferhaus mit Garten  in Windhausen, im Vogelsberg, wo heute so viele Windräder stehen. Wir hatten eine Sitzplattform in der Küche, wo wir im Lotussitz saßen und uns des Lebens freuten und Milchtee wie in Indien tranken. Unsere Kinder wuchsen dort in dem kleinen Ort auf, und in der Sommerszeit war die Biskaya unser besonderes Reiseziel. Das war zwar recht weit mit dem Auto, doch die Fahrt durch Frankreich war erlebnisreich und immer erfreulich. Für uns stand damals fest: Im Baskenland ist es besonders gut zum Leben und Musikmachen! Die Basken sind sehr freundliche Menschen, sie haben zwar viel dunkle Zeiten erlebt und sich dennoch ihre offene, faire Art erhalten. Sie waren gastfreundlich, ehrlich und im Bewahren ihrer eigenen Sprache und Lebensart beharrlich.
Diese Zeit war musikalisch am besten. Wir spielten allabendlich stundenlang in den Straßen von Gernika, es war warm und gesellig, die Kinder waren glücklich und spielten mit den einheimischen Kindern. Wir spielten gerne Tarantellas, spanische Lieder und Flamencos. Gegen Mitternacht ging es zum Zeltplatz am Meer bei einem befreundeten Bauern. Es gab damals regionale Märkte, richtig gute Markthallen, so wie es eigentlich überall auf der Erde sein kann und erstrebenswert ist für die Menschen.

Ein gutes Jahrzehnt spielten wir ein reiches Repertoire an Stücken mit unserem Puppentheater ’Zinnober‘, unter anderem mit viel eigener Musik: „Hips und Hups un Hops, die gingen einmal spazieren und auch der kleine schwarze Mops!“

Das Buch ‚Zinnober, der Mittagsfuchs‘ von Marguerite Henry inspirierte uns bei der Namensfindung für unser Figurentheater. Das Buch von 1957 ist bis heute bei unseren Enkelkindern sehr beliebt.
Und die Musik von Frederic Vahle und von ‚Spunk‘, eines vor zehn Jahren noch recht umtriebigen Kinderliedersängerduos.

Wir haben ca. 65 eigene Puppen geschaffen und waren damit recht erfolgreich unterwegs. Ich war damals wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Wetzlarer Museen, vornehmlich im museumspädagogischen Bereich.

Mani war außerdem als Musikpädagoge in Kitas und Schulen sehr engagiert tätig. Da wurde getrommelt, gesungen, getanzt, Erzieherinnen lernten Gitarre spielen und singen, ein Riesenholz-Xylophon wurde mit Handwagen an den Ort des Geschehens gebracht.

Heute anno 2021 lieben wir Musik nach wie vor, spielen viel zuhause und hören begeistert andere Musiker/Innen.

Wir hoffen auf eine wieder offene Gesellschaft mit 20 unverhandelbaren Grundrechten, die in diesem Land nach dem Desaster der totalitären Diktatur von 1933-45 wohlweislich 1949 als Grundrechte mit Ewigkeitswert gesetzlich Gültigkeit bekommen haben.

Es geht über den Main eine Brücke aus Stein

Pianorosen von Gunny Dewi
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