Deutschfolk by ep

Ein Musik-Wissenschaftler bin ich wahrlich nicht, nicht mal ein richtiger Musiker. Zu erklären, was ich mit dem Begriff Deutschfolk verbinde, fällt mir deshalb nicht leicht. Dass ich dabei nicht an Volksmusik von Zillertaler bis Heino denke, liegt auf der Hand. Aber was man unter Deutschfolk versteht, kann Carl-Ludwig Reichert besser beschreiben und für Abgrenzung nach rechts sorgt auch Ulli Freise in seinem Text Das Waldeck Konzil.

Andererseits habe ich 2019 bei einem Open Stage nur deutsche Lieder (u. A. von Heinrich Heine) gesungen, nachdem ich hörte, dass Straßensänger in einem Münchner Cafe als Nazis beschimpft wurden, weil sie Lieder in deutscher Sprache sangen.

Wer uns Folkies in den 1970er Jahren sah, dem wäre kein Gedanke ferner gewesen, als uns irgendein rechtsnationales Gedankengut zu unterstellen. Viele von uns waren derart zugekifft, dass man jegliches Gedankengut bezweifeln durfte – aber wenn überhaupt, dann kein rechtes. Wir waren Underground-Dropouts, Gammler, Hippies, Aussteiger, die im Hühnerdreck unserer Landkommunen lebten, Sternenstaub atmeten und innere Galaxien bereisten – zumindest so lange die Luft rein und das Gras gut war.

Welche KünstlerInnen heutzutage mit welchem politischen Hintergrund deutsche Volkslieder singen, weiß ich nicht. Da verweise ich lieber auf den Artikel „Deutschfolk“ von C. L. Reichert. .Für mich ist ‚Deutschfolk‘ der Oberbegriff für die Folk-Musik, die wir als deutschsprachigen Künstler meist auf akustischen Instrumenten vorgetragen haben. Diese Folk-Musik (in deutscher oder irgendeiner anderen Sprache), spielten wir (wie WIKI schreibt) „in den 1970er Jahren (…) für ein politisch oft links-alternatives Publikum….“.  
WIKI weiter: „Deutschfolk entstand um 1970 im Zuge der Popularisierung irischer, schottischer und US-amerikanischer Lieder in Deutschland. Damals wollten zahlreiche deutsche Folkmusiker neben der Adaption englischsprachiger Volksmusik oder der Musik anderer Länder auch Lieder in ihrer Muttersprache singen.“

Das war in meinem Fall korrekt, denn ich habe damals viel von Donovan gespielt oder Tom Paxton, aber insbesondere von Bob Dylan, von dem ich einige Songs in deutscher Sprache interpretiert habe.

Die Folk-Bewegung in Deutschland hat sich in vielen Fällen Richtung Folkrock entwickelt, z.B. die City Preachers. Viele Folkies, die als Dylan-Clones loszogen, wurden später Singer/Songwriter, Interpreten internationaler Folkmusik oder wandten sich der Rockmusik oder anderen Genres zu.
Fast jeder Musiker in meinem Bekanntenkreis hat im Laufe der Jahre eine musikalische Wandlung vollzogen – und mir ging es nicht anders, seit ich nach mehr als 20 Jahren Pause wieder angefangen habe, auf meiner Gitarre zu klimpern.

Jeder wie er/sie kann…

Eugen Pletsch

(Oigen)

Oigen ca. 1976
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